Auf abgespeist.de wirft Foodwatch dem Suppen-Hersteller Escoffier und seinem Testimonial Alfons Schuhbeck Etikettenschwindel vor. Angemerkt werden Aussagen von Herrn Schuhbeck in seinen Kochbüchern und TV-Sendungen bezüglich frischer und gesunder Küche, die im krassen Gegensatz zu den Inhaltsstoffen der Suppen stehen. Die kompletten Informationen hierüber finden Sie hier: http://www.abgespeist.de/duett_champignon_creme_suppe/index_ger.html
Ich möchte diesem Urteil gar nicht recht, oder unrecht geben. Für mich aus Marketingsicht ist das geniale Produktmanagement seitens Escoffier viel interessanter. Dies ist ein Meisterbeispiel, wie man einen Markt Segmentieren kann und ein Segment besonders anspricht. Denn nichts anderes ist hier geschehen.
Die Hintergründe der Marketingclous
Man nehme eine ganz einfache Tütensuppe, die hauptsächlich aus Stärke, getrockneten Gemüse und ganz viel Salz besteht, wie foodwatch mitteilt. Doch eine Tüte hat ein sehr billiges Image. Diese Image passt aber gar nicht zu der Zielgruppe, die man ansprechen will. Gut verdienende Menschen, die voll im Job stehen, und deswegen vermutlich keine Zeit haben sich selbst etwas zu kochen. Jedoch wollen diese Menschen nicht auf eine genussvolle Suppe verzichten. Genau auf diese Zielgruppe zielt Escoffier mit seinem Produkt ab. Also wird aus der Tüte eine Dose gemacht.
Im Dosensegment tummeln sich jedoch auch sehr viele Hersteller, die preislich eher niedrig angesiedelt sind. Auch hier ist es schwierig mit einer neuen Dose die gewünschten Personen anzusprechen. Hier kommt der geniale Kniff von Escoffier ins Spiel. Sie machen nicht nur eine Dose, sie machen gleich zwei draus. Nach dem Motto Zwei-Komponenten Kleber sind ja auch besser, wird einfach die Tütensuppe in die obere Dose gepackt und dazu noch ein Fond in die untere Dose. Natürlich ist der verkaufte Fond auch ein “Gourmet”-Produkt von Escoffier.
Mit diesem geschickten Kniff hebt sich Escoffier aus dem Einerlei der Dosensuppen ab. Das Problem ist nur, eine Dose macht noch lange keinen Gourmet. Jetzt kommt der Sternekoch Herr Schuhbeck ins Spiel. Mit seinem Konterfei auf der Dose, ist jedem, der die Dose sieht, klar, das muss ein gutes, leckeres Gourmet Produkt sein, wenn sogar ein Sternekoch seinen Namen dafür hergibt.
Herr Schuhbecks verlorene Authentizität
Dass Herr Schuhbeck ganz sicherlich die Suppe NICHT abgeschmeckt hat, wie er sagt, sollte jedem klar sein, der auch nur ansatzweise mit Werbung zu tun hat. Die Produktion läuft vermutlich schon seit Jahren im gleichen Stil. Sicherlich hat Herr Schuhbeck mal einen Blick in die Produktionshalle getätigt. Das war aber auch schon sein ganzer Einfluss.
Der Gewinn der Marke Escoffier ist ganz offensichtlich. Die Ansprache einer hochpreisigen Gourmet Zielgruppe ist geglückt. Der Gewinn Herrn Schuhbecks, ist sicherlich in seinen Geldbeutel geflossen, doch langfristig wird genau dadurch seine Reputation leiden. Denn wie ich bereits in dem Artikel “Erfolgsfaktor Authentizität” geschrieben habe, verzeiht es kein Kunde, wenn Herr Schuhbeck etwas auf der einen Seite sagt, dann aber auf der anderen Seite was ganz anderes macht. Seinen Stern wird er nicht so schnell aberkannt bekommen, denn zweifelsohne ist er ein hervorragender Koch, doch sein Ruf als TV-Koch wird durch solche Aktionen leiden. Eventuell kann es sogar so weit kommen, dass er ein leeres Sternerestaurant führt.
Man kann also zusammenfassen, dass diese Aktion von Escoffier geniales Marketing ist. Von Seiten Herrn Schuhbecks aber verdammt schlechte Öffentlichkeitsarbeit. Eine ungeschriebene Regel bei Testimonials ist: Man sollte im zweifelsfall hinter dem Produkt stehen können, andernfalls geht das Produkt, und mit ihm zusammen das Testimonial, unter.