• Jun '09
  • 30
  • Gastro-Marketing kann jeder! Oder doch nicht?!

    In Zeiten, in denen der Gastronomie medial immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, rückt natürlich auch die betriebswirtschaftliche Seite dieser Branche in den Fokus. Immer wieder gerne gesehen, sind der Restaurant-Kritiker Rach, Gordon “F..k” Ramsey, die Kochprofis, aber auch Schuldnerberater Peter Zwegat hat es schon einmal mit den Problemen der Gastronomie zu tun.

    Gastronomie kann ja nicht so schwer sein!

    Wenn man sich diese Sendungen anschaut, bekommt man leicht den Eindruck, dass es ja nicht so schwer sein kann, ein Restaurant zu führen. Einfach frische Zutaten aus der Region benutzen, mit einem Probeteller durch die Fußgängerzone laufen, ein neues Logo, eine neue Karte, und schon läuft das Ding wie geschmiert. Jeder echte Gastronom, der schon lange sein Restaurant führt und jegliche Hochs und Tiefs miterlebt hat, würde bei solchen Erfolgsrezepten am liebsten vor Wut in seine gusseiserne Pfanne beißen. Denn was beim Kollegen Rach innerhalb einer Stunde so salopp gemacht wird, erfordert im realen Leben viel Zeit, noch mehr Mühe und Kraft und eine unendliche Geduld. Selbst ein echter Profi wie Rach kann kein Restaurant in 7 Tagen retten.

    Die Sicht nach Innen

    Denn vor der eigentlichen Rettung stehen so viele Dinge, die geklärt werden müssen. Dort ist zum einen erst die Problemanalyse. Was läuft falsch? Warum bleiben die Kunden weg? Wie ist das Essen? Welches Image besitzt das Restaurant bei der Bevölkerung? Wie sehen die Angestellten die Situation? Und noch viele andere Fragen, die erst einmal auf des Pudels Kern hinführen müssen. Dabei hilft besonders die Einschätzung von Außen, von den Kunden. Klar, in jedem Restaurant wird man nach dem Essen gefragt, ob es geschmeckt hat. Doch selten bekommt man eine ehrliche Antwort. Oft hat man das Gefühl, dass der Frager auch keine ehrliche Antwort möchte, sondern vielmehr seine Pflicht herunterspult. Anonymes Kundenfeedback hilft wirkliche Schwachpunkte aufzudecken.

    Was macht die Konkurrenz?

    Dann sollte man unbedingt auch die Konkurrenz ganz genau beobachten. Auch hier sieht man Herrn Rach gerne in Zeitraffer die Konkurrenz begutachten mit dem bemerkenswerten Schluss, dass hier ein XX-Restaurant fehlt. Was diese XX auch immer sein mögen, kein anderer am Ort hat diese geniale Marktlücke bisher erkannt und für sich beansprucht. Damit hat Herr Rach zwar einen wesentlichen Punkt des Marketings tatsächlich vollzogen, nur gestützt sind seine Aussagen eher auf legere Beobachtungen denn auf echte Analysen. Ich weiß natürlich, dass Herr Rach ganz genau weiß, wie man ein Restaurant positioniert, und er das ganze im Zeitraffer zeigt, damit es in eine 50 minütige Fernsehsendung passt, doch das Bild was er damit zeichnet, schmälert die wirkliche Leistung, die hinter einem Positionierungskonzept steht.

    Wer soll mein Essen eigentlich essen?

    Denn zu einem wirklichen Positionierungskonzept gehören neben der Analyse des Restaurants und der Analyse der Mitbewerber auch die Zielgruppenanalyse. Wollen die Kunden überhaupt ein XXL-Restaurant? Wollen die Kunden überhaupt ein Schicki-Micki-Mega-Hochpreis-Dekadenz-Tempel? Was wollen die Kunden wirklich? Diese Fragen sind entscheidend, denn sie zeigen, was in dem Markt wirklich gefragt wird. Und genau das ist Aufgabe des Marketings: Herauszufinden, welche Leistungen vom Markt gerne gekauft werden.

    Was man nicht kennt…

    Dazu gehört auch die richtige Kommunikation. Es reicht nicht den Namen von “Ars Vivendi” in “Chez Franc” umzubenennen und ein neues Logo zu kreieren. Sicherlich war in diesem konkreten Fall die Namensänderung unabdingbar, jedoch wurde die Kommunikation des gleichen eher salopp gezeigt. Hinter einer erfolgreichen Kommunikation mit den Zielgruppen, muss ein durchgängiges Kommunikationskonzept stehen. Andernfalls kommt auch niemand in das Restaurant mit dem neuen Namen.

    Dies sind nur die groben Dinge, die bei einer erfolgreichen Marketingstrategie beachtet werden müssen, doch genauso wichtig sind die kleinen Details. Denn eine Kundenbindung langfristig aufzubauen, und das ist ja das Ziel der Restaurants, möglich viele “Stammgäste” zu haben, wird schnell durch unstimmige Details erschwert, oder sogar unmöglich gemacht. Und gerade im Bereich Kundenbindung, scheinen viele Restaurants und Gastronomiebetriebe noch nicht wirklich die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Dabei geht es weniger um Bonushefte, oder Rabattmarken etc. Hier geht es darum, dass sich der Gast gut aufgehoben fühlt und eben nicht jedes mal das Gefühl hat, er wäre ein Neukunde.

    Nein, Gastromarketing kann nicht jeder!

    Sie sehen also, es gibt viele Bereiche, die man seriös und objektiv betrachten muss, um für sich die Position im Markt zu sichern, mit der man seine Existenz langfristig sichern, ja sogar ausbauen kann. Dies ist eine langfristige Aufgabe, der man einen Großteil seiner Energie widmen muss. Alles andere ist unrealistisch. Gastromarketing kann also nicht jeder, man muss das entsprechende Know-How die Zeit und die Energie haben.

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