Kurzfassung:

Warum muss es immer Kunst sein? Anerkennung verdienen die normalsterblichen Köche ebenso wie die Künstler des Faches. Jeder der tagtäglich leckere Speisen auf die Teller der Gäste zaubert verdient Anerkennung. Es muss eben nicht immer Kunst sein, oft reicht auch sehr gutes Handwerk.


Möchten Sie Kunst essen? – Ein Plädoyer für das Handwerk

Wenn man sich heute die besten Köche der Welt und deren Gerichte anschaut, mag man glauben, da stehen Künstler hinter den Herden. Was auf den Tellern kredenzt wird, mutet mehr einem Gemälde von Monet an, als einer Speise. Neuartigkeit und Kreativität werden mit diesen Kochkünstlern gleich gesetzt. Da mag so mancher Koch in unseren heimischen Gefilden an mangelnden Selbstwertgefühl leiden, wenn er seine sternedekorierten Kollegen in allen Herren Länder sieht und die Beweihräucherung der Presse derselbigen liest. Kochgrößen wie Ferran Adrià, Thomas Keller und Joel Robuchon lassen Normalsterblichen die Ehrfurcht in die Glieder fahren. Vermutlich liest jeder aufstrebende Koch die “S. Pellegrino World’s best 50 Restaurants” und hofft auch irgendwann einmal sein eigenes Restaurant auf dieser Liste finden zu dürfen.

Kunst muss man sich auch leisten können

Die Damen und Herren, die dieser auserlesenen Elite beiwohnen sind zweifellos die besten Köche der Welt. Doch für wen kocht diese Elite? Ein Beispiel: Das ElBulli von Ferran Adriá hat gerade mal 6 Monate im Jahr geöffnet. 2 Millionen Reservierungen stehen nur 8000 Plätzen im Jahr gegenüber. Auch die anderen Köche auf der Liste können sich nicht über mangelnde Nachfrage beklagen. Doch die einzigen Leute die sich diese leisten können gehören zur gesellschaftliche Elite der Welt. Ähnlich wie mit Künstlern der Malerei und Bildhauerei können sich echte Kunstwerke nur sehr wenige Leute leisten.

Auch bin ich der Meinung, dass so manche Kunst einfach am Geschmack der Masse vorbei geht. Nur echte Kunstkenner können mit diesen abstrusen Formen und Farben auf manchen Leinwänden etwas anfangen. Ich glaube ähnlich ist das mit der Kunst auf den Tellern auch. Würden einige dieser Speisen ein unbekannter Koch erfinden und auf den Teller zaubern, so manches hoch gejubeltes Gericht wäre bei den Kritikern durch gefallen. Kunst von unbekannten Künstlern ist leider eine brotlose Kunst. Ich möchte nicht wissen, wie viele Künstler darauf warten entdeckt zu werden. Und es nie werden.

Es lebe das Handwerk

Ich persönlich, bin gar nicht scharf darauf Kunst auf meinen Teller zu bekommen. Kochen ist ein Handwerk das man in harten Ausbildungsjahren erlernt. In manchen Ausbildungsbetrieben besser als in anderen. Doch was einen Koch zu einem guten Koch macht, sind nicht seine Talente im künstlerischen Bereich, sondern die Liebe zu seinem Beruf, zu den Produkten, die er verarbeitet und vor allem sein Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten.

Man muss nicht mit den göttlichen Eingebungen eines Adrià oder Robuchon gesegnet sein um seinen Gästen einen echten Genuss bereiten zu können. Vielmehr geht es darum, dass Sie als Chefkoch wissen was Sie können, was Ihre Gäste mögen und die richtigen Produkte zu einem hervorragenden Gericht zusammen bringen. Ob Sie dabei tief in die Trickkiste der Molekularküche greifen, oder einfach normal mit Pfanne und Topf etwas leckeres zaubern ist eigentlich unerheblich. Ich bin davon überzeugt, dass ein gutes Handwerk eher die Existenz eines Restaurants sichert, als künstlerische Eingebung die niemand zu schätzen weiß.

Aus diesem Grund wünsche ich allen Handwerkern in den Küchen der Restaurants ein sehr gutes Selbstbewusstsein. Was diese Menschen Tag täglich an den Herden vollbringen verdient mindestens genauso viel Anerkennung wie die gezauberten Gerichte der besten Köche der Welt. Das Handwerk ist nämlich das gleiche. Und ob es schmeckt, entscheidet nicht die Presse, sondern die zahlenden Gäste. Darauf, guten Appetit.

Mögen Sie auch lieber Handwerk auf Ihren Tellern als Kunst? Hinterlassen Sie einen Kommentar. Auch gerne, wenn Sie anderer Meinung sind. Oder registrieren Sie sich doch für meinen kostenlosen Whitepaperdienst.


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    Author: Stefan Nievelstein (36 Articles)

    Marketing als Berufung. Angefangen hat Stefan Nievelstein in der Werbebranche als Designer. Um seine Stärke in der Konzeption ausspielen zu können, wechselte er ins Marketing eines japanischen Konzerns. Nach einigen Jahren als Marketingprofessional bietet er nun sein Wissen besonders den Branchen Apotheken und Gastronomie.

    2 Kommentare zu Möchten Sie Kunst essen? – Ein Plädoyer für das Handwerk

    Markus Meier
    10. Dezember 2009

    Jede Koch- Stilrichtung hat ihre Fans und richtig gut gebratene Bratkartoffeln kann auch nicht jeder… Es muß ja nicht immer ein Stern sein ;-)

    Stefan Nievelstein
    6. Januar 2010

    Hallo Herr Meier,

    vielen Dank für Ihren Kommentar.
    Genau so habe ich es gemeint. Ich denke, dass gutes Essen nicht zwingend was mit Michelin Sternen oder Molekularküche zu tun hat. Wie Anthony Bourdaine in einem seiner Bücher schreibt ist es der Job des Kochs etwas wirklich schmackhaftes auf den Teller zu bringen. Auch aus vielleicht günstigeren Produkten, bzw. aus Produkten die bei den meisten Menschen im Müll landen, wie Innereien.
    Worauf ich besonders hinweisen wollte ist das Handwerk des Kochs. Eine Tüte aufreißen, das Pulver in Wasser streuen und umrühren hat nichts mit Handwerk zu tun. Frische Zutaten schmackhaft zubereiten ist meiner Ansicht nach keine Kunst, sondern zu einem sehr großen Prozentsatz Handwerk.

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