Kurzfassung:

In diesem Kommentar nimmer der Apotheken- und Marketingberater Stefan Nievelstein Stellung zu dem heute erwarteten Urteil des EuGH für oder wider das Fremd- und Mehrbesitzverbot für Apotheker. Dabei kritisiert er die Wartestellung der deutschen Apotheker und fordert mehr Eigeninitiative. Zum anderen bangt er auch um die Arzneimittelversorgung sollte das Urteil gegen das Fremd- und Mehrbesitzverbot ausfallen.


Fremd- und Mehrbesitzverbot Urteil – Tag der Entscheidung

Heute wird in Luxembourg das Urteil über das Fremd- und Mehrbesitzverbot mit Spannung erwartet. Dieses Urteil wird weitreichende Folgen nicht nur in Deutschland haben. Dementsprechend ist das Interesse groß.  Gegen Mittag wird sich die ABDA in Berlin zum Ausgang des Verfahrens äußern, Celesio will am Nachmittag in Stuttgart nachziehen.

Nach3 Jahren wird die Rechtssache DocMorris ihren Höhepunkt finden. 3 Jahre des Bangen, des Zittern und des lethargischen Abwarten seitens deutscher Apotheker gipfelt heute in dem Urteil des EuGH. Zwar wurde um die Weihnachtszeit eine leichte Entwarnung für die deutschen Apotheker seitens Yves Bot, seines Zeichen EU Generalanwalt, gegeben, doch Ruhe und Sicherheit gab auch die Empfehlung für das Fremdbesitzverbot der deutschen Apothekenlandschaft nicht. Besonders werden diese Ängste auch durch Berichterstattungen wie dies: http://www.bild.de/BILD/politik/2009/05/16/apothekengesetz/stirbt-die-apotheke-von-nebenan.html geschürt. Doch alle Spekulation hilft nicht. Heute werden wir alle gegen Nachmittag wissen, was die Zukunft bringen wird.

Fällt das Mehr- und Fremdbesitzverbot wird eine Umwälzung der Apothekenlandschaft erwartet. Kapitalstarke Konzerne und Großhändler werden sich in das Endkundengeschäft für Arzneimittel einschalten können. Gut laufende Apotheken werden vermutlich von Herstellern, oder von Konzernen übernommen. Wer sich nicht schon vorher gut gerüstet hat, wird in Aktionismus verfallen, oder auf ein gutes Angebot warten. Was dann aus der Arzneimittelversorung wird, ist nicht abzusehen. Entweder es werden für diesen Fall dann neue Gesetzgebungen gemacht, oder aber der Markt wird sich selbst überlassen, was allerdings höchstwahrscheinlich in eine quasi Kartellisierung enden wird und damit eine extreme Verteuerung der Arzneimittelversorung nach sich ziehen wird. Genau das Gegenteil von dem, was die Regierung mit der Liberalisierung des Arzneimittelhandels möchte. Möchten wir das als Kunden wirklich? Ich glaube nicht.

Fällt das Urteil des EuGH für das Fremd- und Mehrbesitzverbot aus, wird ein Jubel durch die Apothekenlandschaft gehen. Doch einfacher wird es dennoch nicht. Zwar ist dann die große Bedrohung seitens Schlecker und Co. vom Tisch, jedoch werden alle Apotheker bereits gemerkt haben, dass sich der Wettbewerb verschärft. Das deutsche Gesundheitssystem ist zu teuer, so die Regierung. Deswegen werden sicherlich weiter Möglichkeiten der Deregulierung eruiert. Keine weiß, was in der Zukunft kommen wird. Doch eines ist ganz sicher. Abwarten und hoffen, dass sich nichts ändern wird, ist falsch. Proaktiv handeln stärkt den eigenen Stand und bereitet die Apotheke auch auf Änderungen vor, die noch kommen werden.

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    Author: Stefan Nievelstein (36 Articles)

    Marketing als Berufung. Angefangen hat Stefan Nievelstein in der Werbebranche als Designer. Um seine Stärke in der Konzeption ausspielen zu können, wechselte er ins Marketing eines japanischen Konzerns. Nach einigen Jahren als Marketingprofessional bietet er nun sein Wissen besonders den Branchen Apotheken und Gastronomie.

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